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Was Kinder brauchen – Zutaten für einen gesunden veganen Essalltag: Teil 2

Liebe geht durch den Magen Was wollen wir eigentlich von unseren Kindern? Wichtiger als das Essen und Mögen bestimmter Gemüsesorten, sind eine gesunde körperliche und geistige Entwicklung der Kleinen. Hinzu kommt die Förderung von Freude am Essen, Offenheit, ja eine fröhliche Neugierde gegenüber Nahrung. Kinder lernen mit uns wie sie gewissenhaft und schmackhaft Lebensmittel zubereiten…
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22. Februar 2016 // manuel

Liebe geht durch den Magen

Was wollen wir eigentlich von unseren Kindern? Wichtiger als das Essen und Mögen bestimmter Gemüsesorten, sind eine gesunde körperliche und geistige Entwicklung der Kleinen. Hinzu kommt die Förderung von Freude am Essen, Offenheit, ja eine fröhliche Neugierde gegenüber Nahrung. Kinder lernen mit uns wie sie gewissenhaft und schmackhaft Lebensmittel zubereiten und genießen. Aber was brauchen sie dazu?
Freundliche Erwachsene, die Fakten schaffen
Wer kann keine Horrorgeschichte aus der eigenen Kindheit erzählen, wo wir den gruseligen Spinat aufessen mussten. Unsere traumatische erste Begegnung mit diesem grünen wabbligen Zeug haben wir inzwischen zum Glück verarbeitet. Als freundliche Erwachsene animieren wir Kinder zum Probieren und akzeptieren ihre Ablehnung. Am Tisch diskutieren wir nicht über gesund oder ungesund. Stattdessen heißt es: Fakten schaffen. Nicht reden, sondern handeln. Beim Einkauf, bei der Zusammenstellung und bei der Zubereitung entscheiden wir, was auf den Tisch kommt und sorgen dafür, dass es vollwertig, attraktiv und wohlschmeckend ist. Um Kids für einen undefinierbaren Gemüse-Eintopf zu begeistern hilft am Tisch die emotionale Verknüpfung ohne erhobenen Zeigefinger. Das heißt teilen, was das Essen bei euch Erwachsenen Schönes auslöst. „Herrlich, diese Suppe schmeckt mir richtig gut, ich denke dabei immer an Oma/den Sommer/Weihnachten“. Kinder interessieren sich für eure Gefühle! Lobt Kinder auch für den Versuch. Wenn ein Gemüse neu ist und nicht gleich gegessen wird, sagt z.B. „Prima, du hast dir den Mais also schon mal angeschaut.“ Und denkt immer daran: Wenn sie groß sind, essen sie das Gemüse sowieso.
Zeit und Raum für eigene Erwartungen
Alle Kinder haben ihre eigenen seelischen und körperlichen Erwartungen an diese Welt. Diese richten sich weder nach den Anforderungen unserer heutigen Welt, noch nach dem Willen der Erwachsenen. Lest bitte die letzten zwei Sätze noch einmal. Wir tun gut daran, diese individuellen Erwartungen kennen zu lernen und sie radikal zu akzeptieren. Jedes Kind hat sein eigenes Lern- und Entwicklungstempo, daher ist es Unsinn besonders Kleinkinder (bis 3-4 Jahre) mit anderen Kindern zu vergleichen. Sicherheit und der Überlebenswert sind die beiden wichtigsten Kriterien für die Bewertung des Nahrungsangebots von Kindern. Kinder haben von der Muttermilch folgendes Survival-Kit gelernt: Süß + nährstoffreich/energiedicht + nicht-toxisch = gut für mich. Und diese Speisen am besten aufgenommen in kleinen Volumina. Da überlegt ein Kind verständlicherweise doch zweimal, ob der bittere Brokkoli in den kleinen Magen passt.
Essen heißt Kommunizieren
Warum isst mein Kind die Spaghetti heute ausgerechnet nicht, wo es sie doch gestern geradezu verschlungen hat? Warum isst es nur bei Oma den Linseneintopf, zuhause wird er ausgespuckt? Essen ist Kommunikation. In einer Phase, wo Kleinkinder der Worte noch nicht mächtig sind, sind Essen und die eigenen Körperhygiene die zwei einzigen nonverbalen Kommunikationsregeln. Kinder möchten das Gefühl aufbauen dürfen, dass sie einen Platz an der Sonne haben. Dass sie die Macht haben, etwas verändern zu können. Auch Macht über euch Erwachsene! Sie dürfen egoistisch sein und ihre Umwelt ungehemmt abtasten. Sicher brauchen sie auch Grenzen und gesunde Vorbilder im Alltag und am Essenstisch. Die Hauptsache dabei ist: Bleibt cool und freundlich. Regt ihr euch aber auf und schimpft über das unlogische Essverhalten des Kindes, hat das Kind, was es wollte. Also nehmt es einfach gelassen. Und sagt mir dann Bescheid, wenn das bei euch funktioniert.
Spielen, spielen und nochmal spielen.
Eltern quatschen, Kinder spielen. Warum nicht auch am Tisch? Kinder wachsen polysensorisch auf. Eine Erbse ist aufregend und will mit allen Sinnen erfahren werden. Was passiert, wenn ich sie in der Hand zerdrücke, welche Konsistenz verbirgt sicher hinter der glatten Hülse, ist sie innen auch so giftgrün wie außen? Das alles wird, neben dem Geschmack, von uns allen in unserer eigenen Geschwindigkeit gelernt und im Nahrungsgedächtnis abgespeichert, bis wir sicher aus Erfahrung wissen: Erbse, rund und essbar, schmeckt süß, fühlt sich soundso im Mund an.
Kinder sind Gäste, die nach dem Weg fragen
Gemeinsam leben und lernen braucht Regeln, die an die kindliche Entwicklungsphase angepasst sind. Das heißt, sie dürfen sich verändern. Ein gesunder veganer Essalltag mit Kindern umfasst zusammenfassend folgende Empfehlungen:
  • Regelmäßige Essenszeiten. Das heißt auch: ein klarer Anfang, ein klares Ende.
  • Beteiligung an Vor- und Nachbereitung (Tischdecken, Abwasch), soweit möglich
  • Orientierung an dem natürlichen Hunger- und Sättigungsgefühl
  • Gemeinsame Mahlzeiten, Austausch und Füreinander
  • Kein Druck!
  • Angenehme Atmosphäre
  • Abwechslungsreiches Angebot
  • Abgestimmte Portionen
  • Tischmanieren
Na dann, Guten Appetit!
 
Quellen:
Edith Gätjen: Essensspaß für kleine Kinder: So schmeckt’s auch Gemüsemuffeln und Schleckermäulern, Trias, Stuttgart 2007
UGB e.V. Weiterbildung: „Vegan von anfang an“ von Markus Keller und Edith Gätjen, Edertal-Bringhausen 2015
Foto: Stocksy
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